ÖkoProg LIVE 2025 – ein Nachbericht
Ein Wochenende auf dem Bauernhof. Klingt nach Urlaub, war aber öko-progressiv. In Alpen haben sich Vereinsmitglieder und Interessierte über drei Tage getroffen und über Themen wie Ernährungswende, Landwirtschaft und Biotechnologie ausgetauscht. Eine kleine Rückschau zwischen Zelten, Wasserbüffeln und Mehlwurm-Snacks von Moritz Fritschle.
Fotos: Katrin Wientges
Gut zwei Wochen ist es her, dass das ÖkoProg Live Get Together in Alpen am Niederrhein auf dem Ohlmannshof stattgefunden hat. Zwei Tage Programm haben Spuren hinterlassen. Viele neue Ideen wurden in die Köpfe gepflanzt und fingen an zu sprießen. Eigentlicher inoffizieller Start war schon am Freitag, am 25. Juli. Die ersten Menschen trafen am Ohlmannshof ein, Zelte wurden aufgebaut und erste Vorbereitungen für das Event getroffen. Die Scheune wurde freigeräumt, Tische aufgestellt, der Toilettenwagen angeschlossen.

Der Samstagmorgen startete früh. Erst Frühstück, dann letzte Vorbereitungen. Ab 12:00 Uhr eröffnete Martin Reich mit einem bioökonomisches Buffet, um alle Ökoprogs mit Algen, Grillen, Mehlwürmern und pflanzenbasierten Snacks zu füttern. Damit es nicht zu trocken wurde, gab es dazu Cashew-Apfelsaft gegen den Durst.

Frisch gestärkt starteten die Teilnehmer dann in die erste Runde der “Zukunftsgedanken”. Moderiert wurden die Vorträge von David Spencer. Den Auftakt machte Robert Hoffie mit seinem einleitenden Vortrag Nachhaltigkeit ohne ‘früher war alles besser’.
Natalie Laibach folgte mit ihrem Vortrag zum Thema “Diversität auf dem Acker”. Dabei lag der Fokus auf dem Potential von verschiedenen Pflanzensorten und den Vorteilen einer diversen und artenreichen Agrarlandschaft. Der Vortrag “Essen aus der Steckdose – unser Backup für die Krise” von Martin Reich, war eine kurze Einführung in das Thema, wie mittels Elektrolyse Rohstoffe produziert werden können. Diese Rohstoffe können dann als Grundstoff für Lebensmittel aus Präzisionsfermentation dienen. Jan Ellenberger und Johannes Kopton pitchten ihr StartUp FactFlow. Ihr Ziel ist es, mittels Ökobilanzierung (Life Cycle Assessment, LCA) die landwirtschaftlichen Stoffströme besser abzubilden und dadurch die Landwirtschaft nachhaltiger zu machen. Der letzte Vortrag der ersten Session wurde von Tim Paulke präsentiert. Der Gründer von Nunos zeigte, was für ein Potential fermentierte Gülle als organischer Dünger entfalten kann und wie durch die Fermentation ein Beitrag zum Umwelt- und Grundwasser geleistet werden kann.
Damit alle Teilnehmer*innen nach dem vielen Input wieder aufnahmefähiger werden, startete ab 14:30 der ProgShop, organisiert von Natalie Laibach. Ziel des dreiteiligen Workshop war das Generieren neuer Ideen für zukünftige Projekte. Zunächst wurden in kleinen Gruppen Ideen gesammelt und diese dann nach Umsetzbarkeit sortiert. Die beliebtesten Ideen wurden im nächsten Schritt mit Hilfe von Bausteinen realisiert und visualisiert.
Eindeutig eine der beliebtesten Ideen war, dass in Zukunft noch viele Live Events folgen sollten. Zudem möchten wir uns bei Ökoprog künftig besser mit der Wissenschaftskommunikation in Richtung Politik auseinandersetzen und verbessern.


Nach Kaffee und Livemusik von Qukser startete die zweite Runde der “Zukunftsgedanken” direkt mit einer Einführung in die Wissenschaftskommunikation durch Christian-Frederic Kaiser. Er verdeutlichte, dass gerade die Werte und Ansichten der Menschen einen Einfluss darauf haben, wie Wissenschaftskommunikator*innen ihr Publikum ansprechen müssen.
Von Werten und Ansichten ging es danach ganz schnell zur Identität. Moritz Peter Fritschle präsentierte, welchen Einfluss die Identität von Landwirten auf ihr tagtägliches Arbeiten hat und dass diese auch einen Einfluss darauf hat, ob sie nachhaltige Landwirtschaft betreiben oder nicht. Zuletzt gewährte Tobias Hoffmann Einblicke darin, wie ein Ministerium tickt. Über alle Vorträge hinweg steuerte Heiner Hoogen seine wertvolle landwirtschaftliche Perspektive bei.

Nach all den Vorträgen gab es eine kurze Hands-On Präsentation von Corinna Behm. Sie berichtete von neuen, torffreien Erden und gab Erklärungen dazu, wie sich neue Substrate auf den Gartenbau der Zukunft auswirken. Am ersten Abend klang dann das offizielle Programm gemütlich mit Cigköfte, Lagerfeuer und einer Jam-Session von David und Johannes aus.
Obwohl es am Vortag erst spät ins Bett ging, startete der zweite Tag schon im Morgengrauen. Denn ein Ausflug ins Auenland kann nur erfolgreich sein, wenn die Auenlandbewohner auch wach sind. Um 8:00 Uhr startete der letzte Programmpunkt des ökoprogressiven Wochenendes, die Führung durch das Naturschutzgebiet Bislicher Insel. Rangerin Dr. Ilka Weidig führte unsere Gruppe entlang von Auen vorbei an landschaftsgärtnernden Wasserbüffeln, rastenden Löfflern, und ihr blaues Federkleid präsentierenden Eisvögeln.

Von dem Wochenende auf dem Ohlmannshof bleibt so einiges in unseren Köpfen zurück. Zum einen, dass wir unser erstes richtiges Live Event (und eine nicht nur virtuelle Mitgliederversammlung) seit unserer Vereinsgründung 2020 durchgeführt haben.
Die Menschen persönlich kennenzulernen, die man ansonsten bestenfalls als Kachel in einem Online-Meeting sieht, ist einfach ein wunderbares Gefühl.
Außerdem haben die Vorträge gezeigt, dass Ökoprog mehr als Gentechnik-Debatte ist. Unser Verein ist so divers, wie die von Natalie vorgestellte Ackerlandschaft. Wir sind eine Gruppe von Wissenschaftler*innen und Praktiker*innen aus der Landwirtschaft, der Kybernetik, der Bioökonomie, der Volkswirtschaftslehre, der Pflanzenforschung und vielen anderen Bereichen, welche sich mit Themen auskennen, welche die Ernährung der Zukunft, Naturschutz, Klima, Agrarpolitik und andere Bereiche betreffen.

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