Erschienen inVeranstaltung
23. März 2021

Bericht: GASB meets ÖkoProg Vol. 1 – New Food! Was gibt’s morgen zu essen?

Du hast unser Live-Seminar am 18. März 2021 verpasst, aber willst trotzdem wissen, was es mit Pilzwurst, kuhfreien Milchprodukten und Forschung an Akzeptanz neuer Lebensmittel auf sich hat? Keine Sorge, hier findest du einen kurzen Bericht und natürlich das komplette Event zum Abruf als Video!

Im vergangenen Jahr 2020 haben wir zusammen mit der German Association for Synthetic Biology (GASB) unsere erste Online-Live-Seminarreihe “GASB meets PAW” gestartet. Diese war auf landwirtschaftliche Themen (Synbio trifft Nachhaltigkeit, Pflanzen der Zukunft und Eine Landwirtschaft zwei Systeme) fokussiert und daher war dafür unser ÖkoProg Projekt Progressive Agrarwende (PAW) die richtige Adresse. Im Jahr 2021 haben wir uns als Ziel gesetzt, über den Tellerrand der Landwirtschaft hinaus zu gucken: “GASB meets ÖkoProg” war geboren!

Zum Auftakt der Reihe am 18. März 2021 ging es um New Food, die Nahrungsmittel von morgen. Warum brauchen wir überhaupt “neue” Nahrungsmittel? Was ist falsch an den “alten”? Was muss ich mir unter New Food vorstellen? Welche Innovationen sind in der Pipeline? Und haben die Menschen überhaupt Interesse daran, sie zu probieren?

Mit dabei waren drei spannende Gäste: Prof. Holger Zorn von der Uni Gießen machte uns seine Pilzwurst schmackhaft, Raffael Wohlgensinger von Legendairy Foods erzählte uns von seinem kuhfreien Käse aus Hefen und Jacqueline Dupont von der Uni Osnabrück zeigte uns, wie Akzeptanzforschung abläuft und wie wichtig sie ist, um zu untersuchen, ob neue Produkte am Ende auch gegessen oder getrunken werden. Moderiert wurde das Ganze von Martin Reich und Margareta Hellmann von ÖkoProg, wobei Margareta uns zusätzlich mit einen kurzen Einführungsvortrag zum Thema “Proteine heute und morgen” auf die Gastvorträge eingestimmt hat.

Diesmal waren über 100 Teilnehmer*innen über Zoom und erstmals auch im Youtube-Livestream dabei, die unsere Gäste nach ihren Kurzvorträgen eine Dreiviertelstunde lang mit Fragen gelöchert haben. Wir freuen uns total über eure lebhafte Teilnahme! Falls ihr keine Zeit hattet oder das Event verpasst habt – kein Problem, unten findet ihr ein Video der kompletten Veranstaltung mit Zeitstempeln zu den Programmpunkten und gestellten Fragen. Die wenigen übrig gebliebenen Fragen haben wir wie versprochen im Nachhinein gestellt und die schriftlichen Antworten findet ihr auch unten.

Außerdem haben wir die Teilnehmer*innen gefragt, welche Hoffnungen sie in biotechnologisch hergestellte Lebensmittel setzen und welche Bedenken und Herausforderungen sie dabei sehen. Viele von euch haben tatkräftig geholfen, diese beiden Kunstwerke zu erstellen, die das Stimmungsbild des Publikums einfangen:

Ihr wollt kein “GASB meets ÖkoProg”-Event mehr verpassen? Dann meldet euch einfach hier zu unserem Newsletter an und wir informieren euch, sobald es in die nächste Runde geht!

Euer GASB meets ÖkoProg Team

Vinca, Martin, René, Anja, Svenja, Jana, Christian und Margareta

Zeitstempel der Vorträge

  1. Eingangsvortrag “New Food – Proteine heute und morgen” von Margareta Hellmann, ÖkoProg – 4:10
  2. Vortrag über Pilze als alternative Proteinquelle (Stichwort Pilzwurst!) von Prof. Holger Zorn, Uni Gießen – 19:00
  3. Vortrag über kuhfreie Milchprodukte aus Mikroorganismen von Raffael Wohlgensinger, Legendairy Foods – 30:40
  4. Vortrag über Akzeptanzforschung im Lebensmittelbereich von Jacqueline Dupont, Uni Osnabrück – 44:40

Zeitstempel der Antworten auf folgende Fragen

  1. @Raffael: Wie wollt ihr es schaffen, die Herstellung und Aufreinigung der Stoffe (Casein etc.) und die dadurch erstellten Produkte preislich vergleichbar mit “normaler” Milch zu produzieren? Ich habe schon öfter gehört, dass das Problem oft ist, dass die Herstellung dann viel teurer ist. – 59:25
  2. @Holger: Ich habe mal einen Vortrag gehört, bei dem man (Bio-)Müll als Wachstumsgrundlage für Pflanzenproteine genutzt hat. Wäre dies eine Alternative zu Holz? Inwieweit kann die Grundlage den Geschmack beeinflussen? – 1:01:50
  3. @Holger: Wie “gut” können Basidiomyceten transformiert werden? – 1:02:47
  4. @Raffael: Was wird bei Legendairy Foods als Substrat verwendet? Wie beeinflusst die Substratqualität die Produktqualität? – 1:03:55
  5. @Holger + Raffael: Wann kann man mit euren Produkten auf dem Markt rechnen? – 1:04:50
  6. @Holger + Raffael: Wie sehr wird der Erfolg der neuen Produkte von der konventionellen Landwirtschaft bzw. von konventionellen Produkten auf dem Markt beeinflusst? Ist deren günstiger Preis ein Problem? – 1:06:30
  7. @Raffael: Wie schwer war es, an Funding zu kommen? – 1:07:48
  8. @Jacqueline: Habt ihr das Gefühl, dass ein großes Interesse an eurer Forschung besteht (auch im Hinblick auf Fördergelder und Publikationen)? – 1:09:06
  9. @Holger + Raffael: Wie stark werden Innovationen wie mikrobieller Milchersatz oder Fleischersatz durch bestehende Subventionen ausgebremst? – 1:09:55
  10. @Jacqueline + Holger: Kann man sich in Sachen Akzeptanz von Novel Food nicht auch bei bereits bestehenden Produkten in anderen Kulturen was abgucken? – 1:12:48
  11. Die Weltmeere weisen eine starken Zuwachs von Quallen auf, während Fisch rar wird. Wären Quallen als Proteinquelle zukunftsfähig? – 1:14:40
  12. @Holger + Raffael: Könnt ihr Einschätzungen geben, wie teuer eure Produkte sein werden? Sind die Preise bei Markteinführung vergleichbar mit Vergleichsprodukten? – 1:16:14
  13. @Raffael: Habt ihr Strategien (Produktpräsentation, Marketing, Werbemethoden, …), um die Akzeptanz eurer Produkte zu steigern? – 1:18:48
  14. @Jacqueline: Du hattest ja schon die Strategie erwähnt, dass man die Akzeptanz für neue Produkte steigern kann, wenn sie bekannten Produkten ähneln. Fallen dir noch weitere pauschale Tipps ein, die du NewFood-Start-Ups geben würdest? – 1:21:00
  15. @Raffael: Gibt es Handlungsbedarf im Bereich der politischen Rahmenbedingungen? – 1:22:11
  16. Wenn Lebensmittel (nur noch) aus der Fabrik kommen, im Prinzip ohne Limit, was wird dann aus der Wertschätzung für’s Essen? – 1:25:33
  17. Was sagt ihr zu der Sorge, dass die Produktion von Lebensmitteln mit neuen, innovativen Methoden den Trend von vielen kleinen zu wenigen großen Produzenten verstärkt bzw. die bestehenden Produzenten verdrängt? – 1:27:25
  18. Thema Subventionierung und Wettbewerbsverzerrung: Welchen Aspekt spielt eurer Meinung nach die Internalisierung von Umweltfolgekosten in den Kaufpreis (nicht nur über eine CO2-Steuer, sondern auch hinsichtlich Belastung von Nährböden oder Grundwasserverschmutzung)? – 1:31:49
    Dazu passende Anmerkung einer Teilnehmers: “Ergänzung: Nach einer aktuellen Schätzung von Pieper et al. (2020) müssten Tierprodukte im Schnitt fast 2,5 Mal so teuer sein, um Umweltfolgeschäden amortisieren zu können.”
  19. Wie kann man sich die Makro- und Mikronährstoffverteilung der neuen Produkte vorstellen? Ähneln diese den herkömmlichen Produkten? – 1:32:59
  20. Was haltet ihr von dem “Bioengineered” Label das man auf dem Impossible Burger in den USA finden kann? – 1:34:28
  21. @Jacqueline + Raffael: Gibt es Studien zur Akzeptanz von tierischen in-vitro-Produkten bei Veganern? – 1:36:31
  22. @Holger + Raffael: Gibt es Erkenntnisse (z.B. Studien), wie sich der Konsum der neuen Produkte auf die Physiologie des Menschen auswirkt? – 1:39:09
  23. Welche Nahrungsmittel sind tendenziell nachhaltiger: pflanzenbasierte, in-vitro, oder insektenbasierte Alternativen für tierische Produkte? – 1:40:24
    Dazu passende Anmerkung einer Teilnehmerin:https://link.springer.com/article/10.1007/s11367-015-0931-6, Hier gibt es life cycle assessments zu meat substitues :)”
  24. @Holger: Wie nachhaltig ist es denn wirklich, Insekten zu essen? – 1:42:24
  25. @Holger + Raffael: Würden sich auch Algen als Substrat eignen, da diese nicht um die knappen Ackerflächen konkurrieren? – 1:45:02
  26. Ist es möglich künstliches Fleisch aus menschlichen Zellen zu züchten? Oder von ausgestorbenen Tierarten? Gibt es dafür eventuell einen Markt? – 1:46:10
    Dazu passende Anmerkung einer Teilnehmerin: “Man braucht lebende Ausgangszellen, also könnte es schwierig werden.”
  27. @Raffael + Holger: Werdet ihr auf E-Nummern und/oder andere Zusatzstoffe angewiesen sein? – 1:48:15
  28. Ausblick: Wie sieht eure Vision der Landwirtschaft der Zukunft aus? – 1:50:40

Übrig gebliebene Fragen und Antworten

  1. @Holger: Gibt es auch Ansätze, bei denen die Pilze noch genetisch modifiziert werden, um z.B neue gewünschte Eigenschaften zu erzielen?
    Antwort von Holger: Gibt es tatsächlich, aber es ist wesentlich komplexer als bei Bakterien und steckt noch in den Kinderschuhen.
  2. @Raffael: Inwiefern spielen andere Bestandteile der Milch (z.B. Fette) für die Weiterverarbeitung zu Käse eine Rolle? Und falls diese wichtig sind: Können diese auch biotechnologisch in dem Maße hergestellt werden, dass die Endprodukte noch eine wirkliche Konkurrenz zu den bestehenden Produkten darstellen?
    Antwort von Raffael: Tolle Frage – auch die Fette spielen eine grosse Rolle! Diese lassen sich aktuell einfacher über Pflanzen abdecken. Doch: Fette aus dem Fermenter kommen auch bald 😉
  3. @Raffael: Was ist der Input/das Nährmedium für den „Brauerei-Käse“?
    Antwort von Raffael: Grundsätzlich brauchen wir Kohlenhydrate & Stickstoff. Heute holen wir uns das aus z.B. Mais, in Zukunft soll es vor allem aus Nebenströmen kommen, um den Prozess noch nachhaltiger zu machen.
  4. Warum ist Singapur anscheinend so ein guter “Test Case” für New Food Produkte?
    Antwort von Raffael: Die Zulassung dort erfolgt innerhalb von 3-6 Monaten.
  5. Immer wieder kommen Vorwürfe auf, dass New Foods (besonders in-vitro Fleisch) sogar umweltbelastender sind, als beispielsweise Hähnchen. Was denkt ihr darüber?
    Antwort von Jaqueline: Insbesondere bezüglich In-vitro-Fleisch ist die Einschätzung der Nachhaltigkeit sehr schwer. Das liegt vor allem daran, dass die Produktion noch nicht so weit entwickelt ist, dass man vom finalen Verfahren sprechen kann. Pauschal lässt sich das so aber auch mit dem aktuellen Herstellungsverfahren nicht beantworten. Je nachdem welchen Indikator man betrachtet, kann man In-vitro-Fleisch als nachhaltiger bezeichnen bzw. nicht. Bei der Produktion von In-vitro-Fleisch wird z.B. weniger Land benötigt als bei der Produktion von konventionellem Fleisch. Betrachten wir den Energieverbrauch ist dieser aufgrund der verwendeten Bioreaktoren höher verglichen mit der Produktion von konventionellem Fleisch.
  6. @Raffael: Könnte man gewünschte (zusätzliche) Geschmacksprofile direkt mittels mikrobieller Prozesse in das Endprodukt integrieren (Stichwort Co-Kultivierung)?
    Antwort von Raffael: Als BWLer würde ich sagen: ja. Vielleicht brauchen wir dafür noch ein paar gute Kolleginnen, die das Thema angehen 🙂
  7. Inwiefern wird sich die Forschung zu in-vitro Lebensmitteln nur auf den Ersatz tierischer Produkte beziehen? Wird es auf lange Sicht aus Effizienzgründen auch pflanzliche Produkte z.B. Kartoffeln aus dem Labor geben? Werden da die Auswirkungen auf das gesamte Ökosystem berücksichtigt?
    Antwort von Holger: Aus Pilzen Kartoffeln zu machen erscheint mir nicht sinnvoll 😉
Margareta Hellmann

Getagged mit:, , , , ,

1 comment

Comments & Reviews

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.